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Fast alle ETZ-Modelle wurden sowohl mit Trommel-, als auch mit Scheibenbremse am Vorderrad gefertigt. Der Unterschied der Bremsleistung ist enorm. Während die Trommelbremse nach heutigen Maßstäben nur als "na ja" bezeichnet werden kann, ist die Scheibenbremse (ein Brembo-Nachbau) von höchster Güte.

Die Umrüstung ist problemlos möglich. Da nur Originalteile verwendet werden, entspricht das Motorrad voll dem Serienstand.

Diese Beschreibung richtet sich zwar an Nicht-Profi-Schrauber, ihr solltet aber vielleicht nicht unbedingt mit dieser Arbeit euren Einstand geben. Habt ihr Schlossererfahrungen an Fahrrad oder Moped sollte es aber wohl klappen.

Disclaimer: Dies ist die Beschreibung dessen, was ich gemacht habe. Es ist keine  Anleitung oder Verfahrensanweisung! Ich übernehme keinerlei Haftung für Irrtümer oder Schäden, die aus dem wie auch immer gearteten Gebrauch dieses Artikels entstehen.

Benötigte Teile

Spezielles Werkzeug

Wie wird's gemacht

Demontage Vorderrad

Vor der Demontage des Vorderrads die obere Verschlußschraube des rechten Standrohres lösen. Achtung, das Teil geht sauschwer! (150Nm Anzugsmoment!) Am besten das Vorderrad an eine Wand (oder Stoßstange vom Auto oder so) anlehnen und einen guten Ringschlüssel mit Verlängerung benutzen.
ACHTUNG: Auf keinen Fall an den Lenkanschlägen abstützen!
Dann Vorderrad ausbauen,  Bremsanker abschrauben. Bremshebel abschrauben und Bremszug abbauen. Bei Bedarf Reifen demontieren und Felge ausspeichen.
Nabe (oder Vorderrad), Achse, Distanzstücke, Bremshebel, Bremszug und Bremsanker werden nicht mehr benötigt und können eingelagert werden.

Tausch Standrohr (unorthodoxe Schnellmethode nach Hendrik Merkel)

Schutzblech ausbauen, Faltenbalg hochschieben. Schüssel unterstellen (zum Öl auffangen).
Am Fuß des Tauchrohrs die Schraube M6 lösen (mit Rohrschlüssel M10). Sollte sich der Dämpfereinsatz mitdrehen, mit einem Schraubenzieher gegenhalten.
Tauchrohr vorsichtig abziehen, Achtung, es kommt das Gabelöl mit heraus!
Am Fuß des Tauchrohrs oder am Dämpfereinsatz sind eine Tellerscheibe, eine Feder und eine Dichtscheibe. Die fallen gern ins Altöl.
Beim neuen Tauchrohr den Simmerring prüfen und im Zweifelsfall ersetzen.
Zur Montage des neuen Standrohrs am besten eine neue Dichtscheibe aus Dichtungspapier anfertigen (dieser rote feste Karton), die etwas größer als die Feder ist und stramm auf dem Gewindebolzen am Ende des Dämpfers sitzt. Damit kann man Tellerscheibe, Feder und Dichtung auffädeln und verhindert, daß sie ins Tauchrohr fallen. Das Tauchrohr vorsichtig auf das Standrohr schieben (Vorsicht, sonst ist der Simmerring gleich wieder kaputt) und mit der Mutter M6 wieder sichern. Federscheibe nicht vergessen!
Faltenbalg wieder draufschieben.
Die (hoffentlich vorher gelöste Verschlußschraube) des Standrohrs aufmachen und 230 ml Gabelöl (SAE 20 mit MoS2-Suspension, z.B. von Wildschrei) einfüllen. Verschlußschraube wieder rein und schonmal festziehen. Schutzblech wieder einbauen, aber die Schrauben nur _lose_ befestigen.

Montage Bremssattel und Hauptbremszylinder

Bremssattel am Standrohr anschrauben. Unbedingt 8.8er Schrauben mit Federringen verwenden. Kupferpaste ist sinnvoll. Anzugsmoment (soweit ich es herausfinden konnte) 50Nm.
Hauptbremszylinder am Lenker anbringen. Bremsschlauch durch die untere Gabelbrücke fädeln (dafür muß in der Regel das Blinkerkabel vorübergehend raus) und zuerst am Hauptbremszylinder .
Darauf achten, daß der Schlauch nicht verdreht ist!
Die Muffe am Bremssattel einen Gewindegang eindrehen und dann den Bremsschlauch an der Muffe anschrauben. Die Muffe hat Rechts- und Linksgewinde, so daß der Bremsschlauch nicht verdreht wird.

Montage Vorderrad

Vorderrad einspeichen und zentrieren (lassen), Reifen montieren (lassen).
Bremsscheibe mit 8.8er Schrauben, Federringen Unterlegscheiben und Loctite hochfest montieren, Schrauben über Kreuz anziehen (25Nm).
Rad mit der neuen Achse und den Distanzstücken montieren. Dabei unbedingt folgende Reihenfolge beachten und zwischen jedem Schritt die Gabel mehrfach durchfedern!

Ziel ist, zu erreichen daß die Gabelholme parallel stehen. Manchmal ist die Achsklemmung selbst bei gelöster Klemmschraube so schwergängig, daß man bei der Montage vorsichtig nachhelfen muß, daß sie in die korrekte Position rutscht. Eine verspannte Gabel führt auf jeden Fall zu schlechtem Fahrverhalten!
Jetzt auch die Gabelverschlußschraube wieder auf 150Nm anziehen.
ACHTUNG: Dabei auf keinen Fall an den Lenkanschlägen abstützen!

Bremse befüllen und entlüften

Im gelben Buch wird die Befüllung über die Entlüftungsschraube beschrieben. (Schlauch mit Trichter ans Entlüftungsventil, der Trichter muß höher sein als der Hauptbremszylinder. Trichter mit Bremsflüssigkeit füllen.)
Ich hatte eine kombinierte Methode angewandt, indem ich zusätzlich schon etwas Bremsflüssigkeit in den Vorratsbehälter gefüllt habe, so daß dort keine Luft angesaugt werden konnte. Bremshebel periodisch betätigen, es kommen Luftblasen aus dem Trichter. Kommen keine Luftblasen mehr, ist die Bremse gefüllt. Pegel im Vorratsbehälter prüfen und Entlüftungsventil schließen. Beim mehrfachen Betätigen des Bremshebels muß sich nun Druck aufbauen (man spürt Widerstand).

Abschließende Arbeiten

Bremsscheibe entfetten (z.B. Spiritus oder Bremsenreiniger)
Probefahrt (mit der gebotenen Vorsicht Bremse und Lenkverhalten prüfen)

Für den gesamten Umbau (einschl. Reifenmontage und Einsetzen eines Helicoil wegen eines vergnaddelten Spiegelgewindes) habe ich 8 Stunden an zwei Tagen gebraucht. Mit mehr Erfahrung wäre es sicher schneller gegangen. Aber es hat Spaß gemacht und ich habe meine Emme besser kennengelernt.

Spezielle Hinweise

Simmerring wechseln

Tauchrohr mit Schonbacken in den Schraubstock einspannen. Den alten Simmerring vorsichtig mit einem breiten Schraubenzieher o.ä. heraushebeln. Darauf achten, daß die Passung für den Simmerring nicht verkratzt wird!
Den neuen Simmerring an der Dichtlippe gut mit Gabelöl einölen (am besten hineinlegen) und mit dem alten Ring vorsichtig in das Tauchrohr eintreiben. Montagerichtung: Offene Seite unten (zum Tauchrohr).

Bremsleitungen anschrauben

Bremsleitungen haben einen "plastischen" Dichtsitz, d.h. die Abdichtung wird dadurch erreicht, daß sicht der Anschlußstutzen des Bremsschlauchs leicht in den Grund der Bohrung drückt. Deswegen beim Festziehen der Stutzen beachten: Von Hand eindrehen bis der Stutzen am Grund der Bohrung anschlägt. Dann nur noch eine kleine Drehung mit Gefühl (vielleicht eine Achtel Umdrehung). Die aufzuwendende Kraft ist geringer als bei einer "normalen" Verschraubung, Vorsicht!

Copyright (c) 1997, 1999 by Stefan Wagner